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das gastrophilosophische Forum

Egal ob kleines Lokal, großes Unternehmen oder feines Restaurant – jeder buhlt um die Gunst der Kundinnen und Kunden. Ein wichtiger Aspekt dabei: die Kommunikation. Doch schon die Aufmerksamkeit von potentiellen KundInnen ist hart umkämpft, und sie zu gewinnen ist in den letzten Jahren nicht leichter geworden.

Einen Text über Kommunikation mit dem wohl berühmtesten Zitat über Kommunikation zu beginnen, ist zugegeben nicht sonderlich kreativ. Oder mutig. Aber Paul Watzlawick hat es mit seinem „Man kann nicht nicht kommunizieren“ eben perfekt auf den Punkt gebracht. Und gerade in Gastronomie, Kulinarik und Tourismus befindet man sich oft auch im direkten Austausch mit seinen Kundinnen und Kunden. Man kann also wirklich nicht nicht kommunizieren.

Dass Gastronomie nicht ohne Kommunikation funktionieren kann, bestätigt auch Dorli Muhr. Sie ist Gründerin und Inhaberin der renommierten PR-Agentur „Wine&Partners“ und betreibt ihr eigenes Weingut „Dorli Muhr“: „Gastronomie bzw. Kulinarik und Kommunikation kann man nicht voneinander trennen. Es nützt nichts, wenn ich den tollsten Wein mache – nachhaltig, biologisch, ökologisch – und meine Kunden dann nicht auf die Reise mitnehme“, so die PR-Expertin. Doch wie schafft man es, seine Zielgruppe für diese metaphorische Reise ins Boot zu holen? Oder, anders gefragt: Wie erreichen meine Kommunikationsmaßnahmen jene Menschen, die sie erreichen sollen? Dass das in den vergangenen Jahren nicht unbedingt leichter geworden ist, zeigt schon ein Blick auf die Statistik: Waren KonsumentInnen in den 1980er Jahren noch mit durchschnittlich 650 bis 850 Werbebotschaften konfrontiert, gehen Werbefachleute heute von einer Zahl von 10.000 bis 13.000 Botschaften aus – pro Tag. „Wenn du Anfang der 90er eine Weinvorstellung in einer Zeitung hattest, hat sich das direkt ausgewirkt. Heute ist die Arbeit wesentlich komplexer geworden“, so Muhr.

Ähnlich sieht es auch Mirco Wolf Wiegert: „Wir haben zwar mehr Kanäle zur Verfügung, gleichzeitig oder auch dadurch hat die Aufmerksamkeit aber abgenommen. Deshalb muss man schon gut und relevant sein, um Aufmerksamkeit zu erregen.“ Wiegert ist Gründer und Geschäftsführer von fritz kola. 2003 gegründet, hat sich die Marke – auch dank mutiger und bisweilen provokanter Kommunikationsmaßnahmen – mittlerweile den Ruf als Kult-Limonade erarbeitet. Im Zentrum der Kommunikation steht stets das Koffein bzw. der daraus resultierende Effekt: „Willkommen im wach“. So plakatierte man beispielsweise 2017 im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg Portraits von Putin, Trump und Erdogan – alle schlafend – mit dem Slogan: „Mensch, wach auf!“