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das gastrophilosophische Forum

Journal

Ein Alltag voll Mut

MUT - Das Magazin zum Einfach Leben - das gastrophilosophische Forum

Gemeinsam mit friendship.is setzen Seppi Sigl (Trumer Privatbrauerei) und Benedikt Binder-Krieglstein (Reed Exhibitions) die erste Ausgabe des „Einfach Leben – das gastrophilosophische Forum“ um. Wir haben die beiden Initialpartner getrennt voneinander befragt: Zu ihrem eigenen Mut, zu mutigen Menschen, die ihnen als Vorbilder dienen und dazu, was sie mit dem Einfach Leben Forum in der Branche und in der Gesellschaft bewirken wollen.

Mut ist ja etwas sehr Individuelles. Was bedeutet Mut für dich persönlich?
Seppi Sigl: Mut bedeutet für mich, seinem eigenen Herzen zu folgen. Dass man aufsteht, für Sachen einsteht und kämpft, wenn man von ihnen überzeugt ist. Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass man sich selbst in ein Risiko begibt oder gar weiß, dass man selbst einen Nachteil dadurch erfährt. Geschäftlich gesehen ist es mutig, wenn man Dinge anders macht als andere. Also sich auch hier ab und an gegen die breite Masse stellt, weil man eine andere Idee vom eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung hat. In beiden Fällen geht es darum, sich selbst gut zu kennen und den eigenen Träumen zu folgen.
Benedikt Binder-Krieglstein: Mut hat für mich sehr viel mit Freiheit zu tun. Mit der Freiheit, neue Wege zu finden und zu gehen. Für mich sind die mutigsten Menschen die, die neue Dinge ausprobieren und etwas tun, das sie eigentlich nicht können. Das war auch schon in der Geschichte immer so. Die Mutigen haben die ihre Komfortzonen verlassen und dadurch Neues entdeckt. Für mich ist es also mutig, wenn jemand neue Wege geht und Grenzen überschreitet. Und das in jeglicher Hinsicht: privat, sportlich, geistig und auch wirtschaftlich.

Was war das letzte Mutige, das du selbst getan hast?
Seppi Sigl: Sich selbst Mut zuzuschreiben ist ja irgendwie seltsam. Das können andere besser beurteilen. Aber ich bin ja vor kurzer Zeit Papa geworden und das ist schon irgendwie mutig. Obwohl da natürlich meine Frau viel mehr Mut beweist als ich. Die Autofahrt ins Krankenhaus war vielleicht mutig von mir (lacht). Aber ich glaube schon, dass es Mut braucht, eine Familie zu gründen und für sie zu sorgen. Gleichzeitig ist aber die Familie sicher auch ein Ort, der viel Mut geben kann. Ich glaube auch, dass es mutig ist, wenn man sich selbst hinterfragt und das eigene Tun reflektiert. Und das mache ich schon von Zeit zu Zeit.
Benedikt Binder-Krieglstein: Ich war vor kurzer Zeit in einem Fast Food-Restaurant und habe dort das erste Mal Burger gebraten. Ist das mutig? Ja, für mich irgendwie schon, weil es etwas ist, was ich absolut nicht kann und bei dem ich mich maßlos blamiert habe. Und das noch dazu vor einem unserer größten Kunden. Es war mutig, weil ich mich in eine Situation begeben habe, bei der schon vorher klar war, dass ich mit ziemlicher Sicherheit nicht das abliefern können werde was ich eigentlich selbst von mir erwarte. Wenn ich also mutig sein will, muss ich meine eigenen Befindlichkeiten hintenanstellen. Frei nach dem Motto: „Your ego is not your amigo.“

Zu welchen mutigen Menschen schaust du auf?
Seppi Sigl: Ich habe es ja schon kurz erwähnt. Mutig sind für mich Menschen, die sich für etwas einsetzen, die Leben retten oder für eine bessere Zukunft und mehr Gerechtigkeit kämpfen. Menschen, die auch in Kauf nehmen, dass sie von anderen für ihr Tun angefeindet werden. Aus unternehmerischer Sicht ist es sicher mein Vater. Sein Credo war immer „Man muss sich anders positionieren als der Rest“. Das hat er auch stets mit Mut und Konsequenz getan. Für mich ist er ein absoluter Optimist und Mutmacher, und davon habe ich persönlich auch einiges mitgenommen.
Benedikt Binder-Krieglstein: Da fallen mir sofort meine beiden Großmütter ein. Die eine war sehr mutig, weil sie nach dem Konkurs meines Großvaters und im Alter von 67 Jahren als Putzfrau arbeiten musste und täglich sieben Kilometer zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz unterwegs war. Sie kam ursprünglich aus recht betuchtem Hause und musste in dieser Situation ihr Ego hintanstellen. Meine andere Großmutter war die erste Frau, die an der Hochschule für Welthandel (Anm. d. Red.: heute Wirtschaftsuniversität Wien) promoviert hat. Sie hat die ganze Welt allein bereist und heute, mit mittlerweile 97 Jahren, sagt sie mir: „Jeder Tag, an dem ich aufwache, sehen und hören kann, ist ein glücklicher Tag.“ Das finde ich mutig.

Braucht es in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation dringend mutige Menschen?
Seppi Sigl: Es braucht immer mutige Menschen. Aber ja, jetzt gerade brauchen wir sie umso mehr. Das müssen auch gar nicht die großen Helden sein, die mit ihren Wahnsinnstaten irgendetwas beweisen. Das können viele kleine mutmachende Gespräche im Alltag sein. Denn ich bin davon überzeugt, dass Mut ansteckend und ein kollektives Phänomen ist. Wenn wir jetzt zum Beispiel das Einfach Leben Forum machen und dort mehrere hundert Leute erreichen, dann bleibt es ja nicht dabei. Diese Menschen unterhalten sich danach mit Freundinnen und Kollegen und geben ihre Erfahrungen weiter. So potenziert sich dann der Mut.
Benedikt Binder-Krieglstein: Mutige Vorbilder sind wichtig. Wir versuchen das auch in unserem Unternehmen zu leben. Tagtäglich ermutigen wir unsere Mitarbeiter dazu, neue Dinge auszuprobieren – ohne Angst haben zu müssen, dass sie vielleicht damit scheitern. Denn auch das gehört manchmal dazu und bringt den einzelnen Menschen und die ganze Gesellschaft weiter. Es können also ganz kleine Sachen sein, die Mut machen. Ich persönlich denke, dass es wichtig ist, junge Menschen zu ermutigen sich Berufe auszusuchen, die nicht zwingend mit Dotcom in Verbindung stehen, oder Produkte zu entwickeln, die nicht im AppStore erhältlich sind.

Was war dein Antrieb dafür, das Einfach Leben Forum anzugehen?
Seppi Sigl: Mir geht es darum, einen Raum für Gedanken und für Diskurs zu schaffen. Weil den braucht es in jedem Bereich, nicht nur in der Gastronomie und im Tourismus. Die Gedanken und der Diskurs dürfen dabei auch gerne etwas philosophisch sein. Ich bin überzeugt davon, dass das Einfach Leben Forum ein ganz eigenes Tempo haben wird, das genau das ermöglicht.
Benedikt Binder-Krieglstein: Die „Alles für den Gast Herbst“-Messe ermöglicht all unseren Ausstellerinnen und Ausstellern sowie Besucherinnen und Besuchern die größtmögliche Anzahl an hochwertigen Geschäftskontakten, und das in möglichst kurzer Zeit. Die Veranstaltung ist durchgetaktet wie mein Büroalltag – von 7.30 Uhr bis 20.00 Uhr. Das Einfach Leben Forum ist im Vergleich dazu wie mein persönlicher Feierabend, an dem ich bei einem guten Glas Rotwein mit netten wie auch visionären Menschen über die Zukunft spreche. Der Antrieb war also, ein Format zu erschaffen, das eine Art Auszeit ermöglicht, um über neue Wege nachzudenken.

Das Einfach Leben Forum hat einen stark interdisziplinären Ansatz. Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen zusammen, um über Gastronomie und Tourismus und deren gesellschaftliche Bedeutung zu sprechen. Wie wichtig ist es generell, immer wieder über den Tellerrand zu schauen?
Seppi Sigl: Das ist ganz wichtig, denn Inspiration kann man überall finden, vor allem aber außerhalb der eigenen Branche. Je öfter man woanders hinschaut, desto häufiger wird man Dinge sehen, die inspirierend sind. Dabei geht es nicht darum, sich etwas abzuschauen oder zu kopieren. Für mich persönlich kann alles Mögliche inspirierend sein: ein Mensch, ein Buch oder auch die Natur.
Benedikt Binder-Krieglstein: Die Digitalisierung hat es geschafft, dass immer mehr Grenzen zwischen Menschen abgebaut werden. Die Grenzen, die noch da sind, müssen wir immer wieder überschreiten. Egal ob es persönliche Grenzen sind, die von Branchen oder Ländergrenzen. Gerade in der Gastronomie, die sprichwörtlich sehr oft im eigenen Saft brät, ist das besonders wichtig.

Kurzbio
Seppi Sigl: Seppi Sigl leitet die Trumer Privatbrauerei in achter Generation. Gemeinsam mit Reed Exhibitions Österreich und friendship.is hat er das Einfach Leben Forum initiiert.
Benedikt Binder-Krieglstein: Benedikt Binder-Krieglstein ist CEO von Reed Exhibitions Österreich und widmet sich mit dem Unternehmen der Zukunft des Messewesens.

Das gesamte Magazin findest du hier.

Foto: Niko Zuparic