einfach
leben

das gastrophilosophische Forum

Von Teresa Schaur-Wünsch

Schießende Schwammerln, ein Restaurant auf Reisen, ein schwimmender Salon: Vom Charme der Kooperation – und ihren unausgesprochenen Regeln.

Die Wiener Praterstraße nahe des Donaukanals ist ein idyllischer Ort. Bäume, Blätter, kleine Geschäftslokale – und ein winziges Restaurant mit einem großen Namen (zumindest in Wien). Seit seiner Eröffnung im Jahr 2012 gehört das japanische Mochi zu den meistgebuchten Restaurants der Stadt – samt Ablegern wie dem Take-out o.m.k gleich gegenüber, einem Ramen-Lokal am Vorgartenmarkt und dem Kikko Bā, einem Tapas-Wein-und-Sake-Lokal in Naschmarkt-Nähe. Zu tun gäbe es für Tobi Müller und Eddi Dimant eigentlich genug. Und doch: Alle paar Monate werden die „Mochis“ unrund. Dann satteln sie die Pferde.

Seit zwei Jahren gehen die beiden samt Mannschaft immer wieder auf Reisen, packen Küchenausrüstung und Geschirr in Kisten und fahren los. „Mochi on Tour“ nennt sich das. Allein 2019 standen im Terminkalender Gastspiele an so unterschiedlichen Orten wie dem Hirschen im bregenzerwälderischen Schwarzenberg, dem Laufke in Graz, dem Schlosshotel Velden, in Claus Preisingers Weingut in Gols oder, vor Kurzem, in der Domäne Wachau. Für 2020 plant man Küchenausflüge nach Italien oder London: „Wir wollen nächstes Jahr alle zwei Monate unterwegs sein.“

Erklärtes Ziel, so Dimant, ist, „dass unsere Köche etwas Neues sehen.“ Es gehe nicht ums Finanzielle, sondern darum, Wissen weiterzugeben und zu lernen. Etwa von Lukas Nagl, der im Bootshaus am Traunsee seine eigenen Misopasten und Fischsaucen fermentiert. Und nein, es gehe nicht um dreistes Kopieren (was bei der Spezialisierung des Mochi ohnehin unsinnig wäre). Wo andere Wettbewerb sehen, erkennt Dimant nur Geben und Nehmen. „Zurück daheim, merkt man, welche Fehler man macht. Dass man sich manches leichter machen kann“, sagt er. Und: „Man lernt bei jeder Reise etwas Neues.“
Apropos Geben und Nehmen: Was Eddi Dimant gibt, sind auch seine Rezepte. In der eigenen Showküche, wenn die Gäste danach fragen. Und auch im eigenen Kochbuch, für das er, anders als manch anderer, nichts abgeändert hat. „Ich hab“, sagt Dimant, „keine Geheimnisse.“ Im Gegenteil: „Das Schöne daran, dass man sich mitteilt, ist, dass man dadurch Teil einer Gemeinschaft wird.“ Rezepte zu teilen, das verbinde. Wenn andere seine Rezepte verwenden und weiterentwickeln, dann erhofft er sich nur eines: Dass sie ihn über ihre Ergebnisse informieren.